Neubau eines ökologischen Wochenendhauses im Naturschutzgebiet

Holzhaus mit 60 m² Grundfläche im Naturschutzgebiet, gebaut aus massiven Holzbauteilen ohne Leim, Lehm- und Kalkoberflächen, effizienter Holzvergaserheizung, Deckenheizmatten, Photovoltaikdach und Pflanzenkläranlage.

Auf 60 Quadratmeter Grundfläche entstand ein modernes Feriendomizil – ganz aus Holz.

Das Besondere an diesem Haus ist die Kombination verschiedenster innovativer ökologischer Lösungen und Gewerke. Nach einer kurzen Planungsphase, in der ein bestehender Entwurf überarbeitet wurde, wurde das Bauherrenpaar beratend begleitet, von der Auswahl der Holzbaufirma, die den Bauantrag stellte, bis zur Haustechnik.

Wände, Decke und Dach wurden vorkonfektioniert unter Verwendung von, mit Holzschraubenverdübelten, Vollhölzern ohne Leim oder Kleber (die Schadstoffe emittieren). Die Wände wurden innen mit Lehm verputzt und mit Sumpfkalkfarbe gestrichen und können so das Raumklima regulieren, ebenso, wie die geölten Dielenböden aus Eichenholz.

An kühleren Tagen kann ein Holzvergaser-Ofen eingesetzt werden, der durch das Nutzen der Gase, die beim Holzbrand entstehen, um ein vielfaches effektiver ist, als herkömmliche Holzöfen. Die Heizung des Hauses ist, mobil ansteuerbar, in den Decken in Form von elektrischen Heizmatten integriert, die für das ganze Haus weniger Strom benötigen, als ein herkömmlicher Haartrockner. Elektrischen Strom gewinnt das Dach, das mit Photovoltaik-Modulen gedeckt ist.

Das Abwasser reinigt eine Pflanzenkläranlagen mit Schilfbeet, das Wasser kann anschließend für die Gartenbewässerung genutzt werden.

Nach sechs Monaten Bauzeit war das Haus fertig gestellt. Es lässt weder Wünsche an behaglichem und gesundem Raumklima noch an modernes Design offen. Große Fensterflächen ermöglichen einen freien Blick in den Garten mit direktem Zugang zum See.

Die Projektbegleitung hat hier mit dem Zusammenbringen verschiedener innovativer Unternehmen, die sich dem ökologischen Bauen verschrieben haben, zu einem außergewöhnlichen Projekt geführt, das jeden Bauherren von nachhaltigem Bauen überzeugen kann.

Aufgabe: Beratung / Bauherrenvertretung

Jahr: 2019 – 2020

Interessante Fragen & Antworten rund um das Projekt

Welche Vorteile hat Kalkputz gegenüber Gipsputz?
Kalkputz ist mineralisch, diffusionsoffen und durch seine Alkalität von Natur aus schimmelhemmend. Er nimmt Feuchte aus der Raumluft auf und gibt sie wieder ab, wodurch Wände schneller austrocknen und weniger anfällig für mikrobiellen Bewuchs sind. Besonders in Bädern, Küchen oder Altbauten mit wechselnden Klimabedingungen spielt er seine Stärken aus. Im Vergleich zu Gipsputz bleibt Kalkputz langfristig stabil, unterstützt ein gesundes Raumklima und lässt sich gut mit Naturfarben kombinieren.
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Was macht Holz zu einem besonders nachhaltigen Baustoff?
Holz speichert über seine gesamte Lebensdauer das während des Wachstums gebundene CO2 und entlastet so die Atmosphäre. Wird es aus regionaler, verantwortungsvoller Forstwirtschaft bezogen, sind Transportwege und Umweltauswirkungen gering. Holz ist leicht, tragfähig und hervorragend vorfertigbar, was Bauzeiten und Baustellenemissionen reduziert. Gleichzeitig reguliert es Feuchtigkeit, verbessert die Akustik und fühlt sich angenehm warm an. Damit verbindet Holz Klimaschutz, Wohnqualität und Ressourcenschonung.
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Warum sind Naturdämmstoffe eine gute Alternative zu Mineralwolle?
Naturdämmstoffe wie Holzfaser, Hanf, Stroh oder Zellulose kombinieren gute Dämmwerte mit hoher Wärmespeicherfähigkeit und ausgezeichnetem Feuchtemanagement. Sie sorgen im Sommer für längere Phasenverschiebungen, sodass Hitze später und abgeschwächt im Innenraum ankommt. Gleichzeitig sind sie meist hautfreundlicher zu verarbeiten und geben kaum problematische Faserstäube ab. Am Ende des Lebenszyklus lassen sich viele Naturdämmstoffe recyceln oder kompostieren und belasten die Umwelt deutlich weniger als Mineralwolle.
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Was bestimmt eine gute Raumluftqualität im Gebäude?
Gute Raumluftqualität entsteht aus einem Zusammenspiel von ausgewogener Luftfeuchte, niedriger CO2- und Schadstoffbelastung, angenehmen Temperaturen und möglichst wenig Feinstaub. Naturbaustoffe unterstützen dies, indem sie Feuchte puffern und kaum Emissionen abgeben. Gleichzeitig ist ein sinnvolles Lüftungskonzept wichtig – ob natürlich, mechanisch oder hybrid. Gute Raumluft steigert Konzentration, Schlafqualität und Wohlbefinden und reduziert Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Reizungen der Atemwege.
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Warum wird Strahlungswärme als besonders behaglich empfunden?
Strahlungswärme erwärmt Oberflächen und den menschlichen Körper direkt, statt primär die Luft zu erhitzen. Dadurch kann die Lufttemperatur etwas niedriger sein, während das Wärmeempfinden angenehm bleibt. Es entstehen weniger Luftbewegungen und damit weniger Staubaufwirbelungen. In Kombination mit massiven, natürlichen Bauteilen, die Wärme speichern, entstehen ruhige, gleichmäßig temperierte Räume. Viele Menschen empfinden Strahlungswärme als natürlicher, entspannender und weniger trocken als reine Konvektionsheizungen.
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Sind Strahlungsheizungen effizienter als reine Konvektionsheizungen?
Strahlungsheizungen ermöglichen bei gleicher Behaglichkeit oft niedrigere Lufttemperaturen, weil sie direkt auf den menschlichen Körper wirken. Dadurch sinkt der Energiebedarf. Sie arbeiten meist mit niedrigen Systemtemperaturen und eignen sich besonders für Kombinationen mit Wärmepumpen oder Niedertemperaturkesseln. Da weniger Luft zirkuliert, werden Staub und Allergene weniger verteilt. In Wohnräumen, Büros und Bildungsbauten führen Strahlungsheizungen zu einem ruhigeren, gesünderen Raumklima und geringeren Betriebskosten.
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Warum ist Photovoltaik ein wichtiger Baustein nachhaltiger Gebäude?
Photovoltaikanlagen erzeugen erneuerbaren Strom direkt am Gebäude und reduzieren damit Netzbezug und Betriebskosten. Sie können Wärmepumpen, Lüftungsanlagen, Haushaltsstrom und E-Mobilität versorgen. Für Eigentümerinnen und Betreiber bedeutet das mehr Unabhängigkeit von Energiepreissteigerungen. In Kombination mit Speichern und intelligentem Lastmanagement steigt der Eigenverbrauchsanteil weiter. PV ist damit ein zentraler Baustein, um Gebäude in Richtung Klimaneutralität und resiliente Energieversorgung zu entwickeln.
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Wie erreicht man echte Energieeffizienz im Gebäude?
Energieeffizienz beginnt mit der Reduktion des Bedarfs: kompakte Baukörper, gute Dämmung, Vermeidung von Wärmebrücken, luftdichte, aber diffusionsoffene Konstruktionen und passende Fensterflächen. Erst darauf folgen effiziente Anlagentechnik und erneuerbare Energien. Nutzerfreundliche Regelungen und Monitoring helfen, das System im Alltag optimal zu betreiben. Wenn Hülle, Technik und Nutzung aufeinander abgestimmt sind, sinken Energiebedarf, Betriebskosten und Emissionen deutlich – ohne Komforteinbußen.
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Wie funktionieren Pflanzenkläranlagen?
Pflanzenkläranlagen reinigen Abwasser in bepflanzten Becken oder Bodenfiltern. Im Wurzelraum der Pflanzen siedeln sich Mikroorganismen an, die organische Stoffe abbauen und Nährstoffe verwerten. Die Systeme arbeiten weitgehend ohne mechanische Technik, sind energiearm und robust. Sie eignen sich besonders für ländliche Lagen, Gemeinschaftsprojekte oder autarke Gebäude. Neben sauberem Wasser entstehen wertvolle Grünräume, die Biodiversität fördern und das Mikroklima durch Verdunstungskühlung verbessern.
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Was zeichnet einen wirklich nachhaltigen Neubau aus?
Ein nachhaltiger Neubau ist kompakt, maßvoll dimensioniert und nutzt die vorhandenen Ressourcen des Ortes. Er setzt auf nachwachsende und kreislauffähige Materialien, vermeidet übertechnisierte Systeme und lässt flexible Grundrisse zu, damit sich Nutzungen im Laufe der Zeit anpassen können. Gute Tageslichtnutzung, sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz, Regenwasserkonzepte und robuste Details gehören dazu. Rückbau und Wiederverwendung werden von Anfang an mitgedacht, sodass das Gebäude auch im Lebensende verantwortungsvoll bleibt.
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Eine Auswahl nachhaltiger Alternativkonzepte bei diesem Projekt

Lehmbauplatten als Alternative zu Gipskarton – und warum sie besser sind
Lehmbauplatten · Natürliche Platten aus Lehm, regulieren Feuchte und Temperatur und schaffen ein gesundes Raumklima.
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Holzfaserdämmung als Alternative zu Mineralwolle – und warum sie besser ist
Holzfaserdämmung · Diffusionsoffene Dämmplatten aus Holz, gute Dämmleistung, schimmelresistent, nachhaltige Produktion.
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Kalkmörtel als Alternative zu Fliesenkleber & Zementmörtel – und warum er besser ist
Kalkmörtel · Diffusionsoffen, antibakteriell, ideal für Altbau und Denkmalschutz.
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Hanfpressplatten als Alternative zu Spanplatten – und warum sie besser sind
Hanfpressplatten · Ökologische Alternative, sehr stabil, emissionsfrei, erneuerbar.
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Silikatfarbe als Alternative zu Kunststofffarbe – und warum sie besser ist
Silikatfarbe · Diffusionsoffen, schimmelhemmend, ohne Weichmacher, ideal für Alt- und Neubauten.
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Massivholzplatten als Alternative zu OSB-Platten – und warum sie besser sind
Massivholzplatten · Emissionsarme Vollholzplatten ohne formaldehydhaltige Bindemittel.
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Stopfhanf als Alternative zu Bauschaum (PU) – und warum er besser ist
Stopfhanf · Naturfaser zum Füllen und Dämmen ohne Schadstoffe.
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Silikat- und Kalkfugen als Alternative zu Acryl-Fugen – und warum sie besser sind
Silikat- und Kalkfugen · Mineralische Fugen, emissionsfrei und schimmelhemmend.
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Holzschindeln als Alternative zu Dachziegeln aus Beton – und warum sie besser sind
Holzschindeln · Natürliches Dachmaterial, gute Dämmwirkung, langlebig.
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Kalkputz als Alternative zu Gipsputz – und warum er besser ist
Kalkputz · Mineralischer Putz, hoch diffusionsoffen und schimmelhemmend.
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Auswahl weiterführender Erklärungen

Kalk & Kalkputz

Kalk- und Kalkputzsysteme für diffusionsoffene, schimmelresistente und langlebige Oberflächen, die Raumklima und Wohngesundheit nachhaltig unterstützen.

Holzarchitektur

Holzarchitektur macht Tragwerk und Materialität erlebbar und verbindet CO₂-Speicher, warme Oberflächen und präzise Konstruktion zu einer zeitgemäßen, klimafreundlichen Baukultur.

Holz & Holzwerkstoffe

Holz & Holzwerkstoffe bilden das Spektrum vom Vollholz bis zur Platte – ausgewählt nach CO₂-Bilanz, Emissionen, Rückbaubarkeit und baubiologischer Qualität.

Ressourcenschonung

Ressourcenschonung heißt: weniger Fläche, weniger Technik, weniger Material – dafür langlebige, flexible Gebäude mit guter Ökobilanz und hohem Gebrauchswert.

Energieeffizienz

Energieeffizienz gehört zur Gebäudetechnik und unterstützt eine effiziente, klimafreundliche und nutzerorientierte Energieversorgung.

Leistungsphase 5
Ausführungsplanung

Erstellung von detaillierten Plänen mit allen Maßen, Materialien und technischen Details für die ausführenden Gewerke.